Meine Modellbahnanlage

Der Anfang

Es war im Jahr 1969, da brachte der Weihnachtsmann eine, wie man damals noch sagte, elektrische Eisenbahn. Mein Vater hatte die Platte aufgebaut und sie bestand im Grunde genommen aus einem einfachen Gleisoval mit einem kleinen Bahnhof. Entschieden hatte sich mein Vater - und dafür bin ich ihm heute noch dankbar - für die Spur der Mitte, die Nenngröße TT mit einer Spurweite von 12mm. Wenn man wenig Platz hatte, war das zur damaligen Zeit im Osten des Landes eine durchaus nicht unübliche Entscheidung. Das Geschenk des Weihnachtsmannes hatte natürlich mit einer Modellbahn nicht im entferntesten zu tun, aber der Sprößling der Familie war glücklich, wenn die Lok mit den wenigen Wagen im Kreis herum fuhr. Irgenwie muss aber schon damals eine Infektion mit dem Modellbahnvirus stattgefunden haben, denn ich habe mich immer gefragt, warum ich diese Lokomotive noch nie bei der richtigen Eisenbahn gesehen hatte. Es war nämlich ein Modell der V200 der Deutschen Bundesbahn.

Alle Jahre wieder

Die Platte wurde einfach auf den Wohnzimmertisch der elterlichen Wohnung gelegt und machte damit der Abkürzung TT - Table Top - alle Ehre. Mit Beginn des neuen Jahres verschwand sie wieder hinter der Schlafzimmertür. Zur Adventszeit blieb die Schlafzimmertür verschlossen weil der Weihnachtsmann an der Anlage bastelte. So kam jedes Jahr etwas hinzu. Erst ein Parallelkreis und Weichen, dann ein Lokschuppen, Lichtsignale, Bäume und Häuser. Auch der Lokomotiv- und Wagenpark vergrößerte sich langsam aber stetig. Das Auf- und Abbauen wurde auf die Dauer doch zu mühselig und so wurde die Anlage an einem Gestell im Kinderzimmer an der Wand klappbar angebracht.

Einmal komplett neu bitte

Es muss so um das Jahr 1974 gewesen sein. Der Weihnachtsmann hatte zu Weihnachten 1973 wieder ein paar Kleinigkeiten an der Anlage gebaut. In den dreiwöchigen Winterferien riß ich alles ab, kaufte vom Taschengeld teilweise neue Gleise und baute eine Anlage nach meinen Vorstellungen. Mein Vater war wenig begeistert, meine Mutter fürchtete, ich bekäme die Einzelteile nie wieder zusammen. Aber die Anlage funktionierte ohne Fehl und Tadel über mehrere Jahre. Sie wurde erst vernachlässigt, als andere Interessen aufkamen.

Die erste richtig große

Im Jahr 1987 zog ich in eine eigene Wohnung. Das Wohnzimmer hatte gute 20 qm, da war der Entschluß schnell gefaßt eine richtig große Modellbahn zu bauen. Es wurde eine Platte von 3,5m x 1,6m klappbar so an dei Wand montiert, dass man im heruntergeplappten Zustand noch hinter der Platte entlang gehen konnte, so daß man von allen Seiten eine guten Zugriff mit dem Fünf-Finger-Kran hatte. Die Anlage hatte den Klassiker zum Thema - zweigleisige elektrifizierte Hauptbahn mit abzweigender Nebenbahn und Endbahnhof in den Bergen. Unter dem Gebirge versteckte sich ein 8 gleisiger Schattenbahnhof, so daß für genügend Abwechslung im Zugbetrieb gesorgt war. Der Bahnhof der Hauptbahn bot auch Dank Ortsgüteranlage und Lokeinsatzstelle genug Arbeit für den Rangiermeister. Leider sind von der Anlage keine Fotos erhalten geblieben.

Pause

Es folgte die politische Wende, andere Sorgen, eine neue Wohnung, der Abriß der Anlage und Mangels Platz auch kein Neuaufbau. So war Pause angesetzt und ich fristete mein Leben als Schachtelbahner.

Neuanfang

Die Kinder waren aus dem Haus und bevor jemand auf dumme Gedanken kommen konnte, wurden vollendete Tatsachen geschaffen.

Der Plan geisterte schon lange im Kopf rum und wurde auch immer mal wieder zu Papier gebracht, verworfen und neu erdacht. Diesmal sollte es eine eingleisige Nebenbahn werden. Um trotzdem lange Züge fahren zu lassen, enstand die Idee, eine Paradestrecke quasi im Tal anzulegen, auf der die Züge einer zweigleisigen elektrifizierten Hauptstrecke dahindonnern sollten.